DNA als digitaler Langzeitspeicher der Zukunft

Wie schon 2013 im wissenschaftlichen Aufsatz Towards practical, high-capacity, low-maintenance information storage in synthesized DNA von Goldman N., Bertone P., Chen S., Dessimoz C., LeProust E.M., Sipos B. und Birney E. dargelegt, besteht die Möglichkeit Informationen im Erbgut zu speichern und auch wieder auszulesen (siehe auch:

Nun widmet sich Microsoft dieser Idee und experimentiert mit Oligonukleotiden als Speicher der Zukunft, wie t3n am 29.04.2016 berichtet.

Dass ein solches Speichermedium, dessen Haltbarkeit (man denke nur an rekonstruierbarer DNA aus prähistorischer Zeit) mit keinem anderen zu verlgeichen wäre, noch in sehr entfernter Zukunft liegt, dürfte niemand bestreiten. Dennoch ist die Investition von Microsoft ein nicht unbedeutendes Signal, dass die Grundlagenforschung so falsch nicht liegen kann.

 

 

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Raus aus den Museen! Rein in die Museen! – Digitalisierte Museumsbestände und das Urheberrecht

Foto von Ryan McGuire (http://www.gratisography.com)

Foto von Ryan McGuire (http://www.gratisography.com)

Das Verhältnis von Museen zum Digitalen war und ist so ungeklärt wie vielfältig.

Die Aufbruchstimmung, Museen verschiedenster Coleur virtuell besuchen zu können war einst geprägt von Euphorie auf der Seite der Internetaffinen und panischer Ablehnung auf der Seite der Museumsbetreiber. Natürlich bestätigen auch hier die Ausnahmen die Regeln, denn nicht alle Museen fühlten sich von der Idee, die eigenen Bestände zu digitalisieren und der Öffentlichkeit über das Internet zugänglich zu machen, bedroht.

Pilotprojekte wie z.B. die Karlsruher Türkenbeute im Badischen Landesmuseum aus dem Jahr 2003 (01/2002-03/2003), bei dem 150 Exponate zum Teil in sehr hoher Auflösung und über ein inzwischen nicht mehr funktionierendes PlugIn in 3D betrachtet werden konnten, verwaisen nach dem Förderzeitraum und dem ersten Hype leider zusehends.

Auch die einst so innovative virtuelle Plattform Second Life (all diejenigen, die zu jung sind, um SL zu kennen … einfach mal auf der Wikipedia nachlesen) realisierte und bewarb vor vielen Jahren virtuelle Museumsbesuche. Eine aktuelle Liste der digitalen Kunst und Museen auf Second Life findet sich hier.

Wenn ein Internet-Hype bereits über zehn Jahre alt ist, liegt die Vermutung nahe, dass man ihn getrost zur Internet-Geschichte zählen und abhaken kann. Doch im Falle der digitalen Museen verhält es sich anders. Neben dem Übergang realer Museumshäuser in den virtuellen Raum (museum-digital hat hierzu eine umfangreiche Sammlung zusammengestellt) liegt der eigentliche Nutzen darin, das Kulturerbe der Menschheit auf eine Weise zugänglich zu machen, die neben einer gewissen Bequemlichkeit für den Besucher, noch weitaus mehr Funktionen erfüllen kann. Die Beschäftigung mit Museen und ihrer Artefakte selbst hat hierbei schon längst einen festen Platz im Netz, wie z.B. der Blog MusErMeKu.

Doch konfliktfrei ist das Ansinnen, Kulturerbe zu einem ubiquitären, digitalen Gut zu erklären, nicht. Auch wenn es der Auftrag von Museen ist, Kulturgut der Allgemeinheit zugänglich zu machen und zu bewahren, ist die Verbreitung von 2- oder 3-D Abbildern oder Rekonstruktionen juristisch nicht immer so einfach zu klären. Manche Museen wollen ihre Bestände digitalisieren und lizenzfrei der Öffentlichkeit zugänglich machen, andere Häuser versuchen die Kontrolle über „ihre“ Artefakte zu behalten und lehnen einen uneingeschränkten Zugang kategorisch ab. Zwischen diesen beiden Haltungen finden wir eine breite Palette an Kompromisslösungen und Sonderwegen.

Mona Lisa

Foto via Visual hunt

Vor allem finanzielle und juristische (die alsbald wieder zu finanziellen werden) Beweggründe treten bei der Überlegung, Abbilder in die digitale Welt zu entlassen in den Vordergrund und hemmen den Transformationprozess, der z.B. auch durch die von namhaften Persönlichkeiten unterzeichneten Hamburger Note Unterstützung findet. Ein Beispiel, wie ungeklärt die Verwendung des digitalen Abbildes eines materiellen Museumsartefakts ist, zeigt die Klage des Reiss-Engelhorn-Museums Mannheim gegen Wikipedia. Auch wenn die Entscheidung, wie auch immer sie ausfallen mag, Signalcharakter haben wird, wird sie eine Einzelfallentscheidung bleiben und keineswegs über das Scheitern oder die Beschleunigung des öffentlich zugänglichen, digitalen Kulturerbes entscheiden.

Nicht gerade einfacher macht es die Tatsache, dass jeder Staat eigene Regelungen zu diesem Thema hat bzw. nicht hat. In Deutschland kommt es verkomplizierend hinzu, dass Kulturangelegenheiten Ländersache sind, das Urhebergesetz aber bundesweit Gültigkeit hat. Assoziationen von Don Quijote, Sisyphos und den Schildbürgern kommen einem hier schnell in den Sinn.

Doch in einem „gallisches Dorf“ scheint sich Widerstand zu regen …
Nun, eigentlich handelt es sich hier um das bevölkerungsreichste Bundesland: Nordrhein-Westfalen. Die CDU-Fraktion stellte am 08.12.2015 im Landtag Nordrhein-Westfalens den folgenden Antrag: „Den Reichtum unserer Museen in Nordrhein-Westfalen durch Digitalisierung besser sichtbar machen – praxistaugliches Urheberecht zur Digitalisierung von Museumsbeständen einführen!“ (pdf). In der öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Kultur und Medien wurden in Düsseldorf am 07.04.2016 Expertinnen und Experten zu diesem Thema angehört. Die eingegangenen schriftlichen Stellungnahmen können hier nachgelesen werden und der Großteil der Anhörung wurde per Video aufgezeichnet. Bei Twitter findet man über den Hashtag #musdignw einige Kommentare zur Anhörung.

Prof. Dr. Thomas Dreier (Institut für Informations- und Wirtschaftsrecht, Karlsruher Institut für Technologie), Prof. Dr. Hubertus Kohle (Institut für Kunstgeschichte, Ludwigs-Maximilians-Universität, München), Frank Frischmuth (Deutsche Digitale Bibliothek, Berlin), Christian Rickerts (Wikimedia, Berlin), Kilian Kluge (Wikipedia, Berlin), Raimond Spekking (Wikipedia, Berlin), Dr. Paul Klimpel (iRights.Law, Berlin), Dr. Hagen W. Lippe-Weißenfeld (Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf), Heinz-Jürgen Bokler (Städel Museum, Frankfurt am Main) und Dr. Helge David (openmuseum.de, Bonn) erläuterten die komplexe Sachlage vor den Mitgliedern des Landtags und standen dem Ausschuss Rede und Antwort. Sie wurden von den weiteren anwesenden Sachverständigen RAin Veronika Fischer (Institut für Informations- und Wirtschaftsrecht, Karlsruher Institut für Technologie), Dr. Ralf Schneider (Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale, Karlsruher Institut für Technologie), Christian Bracht (Bildarchiv Foto, Philipps-Universität Marburg), Gisela Schulte-Dornberg (Digitales Kunst- und Kulturarchiv Düsseldorf, Düsseldorf) und Tim Moritz Hector (Wikimedia, Berlin) unterstützt.

Die Fazits, die gezogen werden können, besagen (vom Großen zum Kleinen hin), dass eine grundlegende Änderung der Sachlage am ehesten durch eine Novellierung des deutschen Urheberrechtsgesetzes (und den anderen mit deutschen Urheberrecht korrespondieren Gesetzbüchern) hervorgerufen werden könnte, das allerdings im Einklang mit der europäischen Rechtssprechung zu modifizieren wäre. Eine nicht ganz triviale, aber auch nicht unmögliche Aufgabe, wie im Landtag NRW zu hören war.

Fotografierverbot_kl

Von Stefan-Xp – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6097158

Weiterhin liegt der Ball bei den Bundesländern, die in Kulturfragen durchaus Maßnahmen ergreifen könnten, um Gedächtniseinrichtungen wie Museen und Verwertungsgesellschaften zu unterstützen bzw. bei fehlender Bereitschaft für eine „digitale Öffnung“ (wie z.B. der Aufhebung von Fotografierverboten innerhalb der Mussen – vorrangig bei Dauerausstellungen, da Sonderausstellungen oftmals mit hohen Auflagen der verleihenden Einrichtung einhergehen), Unterstützung einschränken könnten – sprich: Fördermittel reduzieren.

Und nicht zuletzt müssen weiterhin Initiativen und Maßnahmen (wie z.B. Wikipedian in Residence und OpenGLAM) ergriffen und intensiviert werden, die sowohl die Museen selbst wie auch die Bürger dafür sensibilisieren, wie sinnvoll und wichtig es ist, das in deutschen Museen für die Öffentlichkeit ausgestellte und vor der Öffentlichkeit in Magazinen verborgene Kulturgut über digitale Kanäle (wie z.B. die Deutsche Digitale Bibliothek und die Europeana) uneingeschränkt der Welt zugänglich zu machen.

 

Vgl. hierzu auch den Band: Informationen der oeffentlichen Hand - Nomos Verlag 2016

Dreier, Thomas; Fischer, Veronika; van Raay, Anne; Spiecker gen. Döhmann, Indra (Hg.): Informationen der öffentlichen Hand – Zugang und Nutzung (=Studien zur Informationsfreiheit, 3). Baden-Baden: Nomos Verlag 2016.

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Wie authentisch können digitale Objekte des Kulturerbes sein?

HEiKA-Projekt_Jupitergigantensaeule_Scan01

Dieser Frage gingen Dr. Andreas Hensen, Leiter des Lobdengau-Museums in Ladenburg und Dr. Ralf Schneider vom ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale am Karlsruher Institut für Technologie am 4. März 2016 auf der internationalen Fachtagung ‚Museen – Orte des Authentischen?‘ der Leibniz-Gemeinschaft (03./04.03. 2016) in Mainz nach.

Mit dem gemeinsamen Vortrag ‚Iuppiter aus dem Brunnen. Ein interdisziplinäres Projekt zur Erforschung und Sichtbarmachung von römischem Kulturerbe in Lopodunum/Ladenburg‘ stellten Hensen und Schneider einige Ergebnisse des Forschungsprojekts ‚Multidimensionale Sicht- und Erfahrbarmachung von Kulturerbe. Entwicklung einer interdisziplinären Methodik zum Messen, Sehen und Verstehen kulturellen Wandels in realen und virtuellen Räumen‚ (Heidelberg Karlsruhe Research Partnership – HEiKA) in einer Kurzpräsentation vor. Dabei wurden dem Fachpublikum aus der Archäologie und der Museumsarbeit Chancen und Grenzen verschiedener Visualisierungsformen zu wissenschaftlichen und museologischen Zwecken vorgestellt. Begleitet war die Präsentation der Ergebnisse immer von der Frage „Was können digitale Objekte zur historischen Authentizität von Kulturerbe beitragen?“.

Insbesondere der Informationsgewinn für verschiedene wissenschaftliche Disziplinen durch digitale Erschließungsverfahren und die bislang unberücksichtigten Möglichkeiten für das Öffentlichmachen von Kulturerbe durch digitale Verfahren, erschlossen im Vortrag Potentiale, die jenseits der Visualität auch andere Sinneswahrnehmungen für Gedächtniseinrichtungen und die Wissenschaft in den Fokus rücken.

Programm der internationalen Fachtagung der Leibniz-Gemeinschaft ‚Museen – Orte des Authentischen?‘, 03./04.03.2016, Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz.

Partner des HEiKA-Forschungsprojekts:

HEiKA-Projekt_Jupitergigantensaeule_Scan02Fotos: Christian Seitz

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Aspekte der Langzeitarchivierung und nachhaltigen Datensicherung (Public Sector Information)

Informationen der öffentlichen Hand (Public Sector Information) sind ein wichtiges Gut für Bürger, Behörden aber auch für die Wirtschaft. Auf diese Daten zurückgreifen zu können, ist für viele eine Selbstverständlichkeit. Doch lediglich in der materiellen Variante haben sich im Laufe der Jahrhunderte Instanzen und Prozesse etabliert, die diesen Zugang gewährleisten. In der Welt digitaler Daten ist noch vieles ungeklärt oder nicht etabliert.

Informationen der oeffentlichen Hand - Nomos Verlag 2016Prof. Dr. Caroline Y. Robertson-von Trotha, Direktorin des Zentrums für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale (ZAK) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Leiterin des inzwischen beendeten Projekts zur Gründung eines Center of Digital Tradition (CODIGT) ergründet mit Ihren Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeitern RA Arnhilt Kuder, Dr. Anne van Raay und Dr. Ralf H. Schneider den Aspekt der digitalen Langzeitarchivierung insbesondere dieses Datenbereichs.

Am 28. Januar 2016 wurde hierzu der Aufsatz ‚Aspekte der Langzeitarchivierung und nachhaltigen Datensicherung‘ im Sammelband der Schriftenreihe ‚Studien zur Informationsfreiheit‘ des Nomos Verlags ‚Informationen der öffentlichen Hand – Zugang und Nutzung‘, herausgegeben von Prof. Dr. Thomas Dreier, Veronika Fischer, Dr. Anne van Raay und Prof. Dr. Indra Spiecker gen. Döhmann, veröffentlicht.

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Workshop zur 3D-Vermessung, 3D-Modellierung, GIS-Verarbeitung von Kulturerbe

Workshop:
Kulturerbe: Erfassbar – Sichtbar – Erfahrbar

Ergebnisse und Erfahrungen aus Forschungsprojekten zur Sicht- und Erfahrbarmachung von Kulturerbe

1. Dezember 2015
09:30-15:00 Uhr
ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale
Rüppurrer Str. 1a, Haus B
76137 Karlsruhe

Jupitergigantensäule Ladenburg, Lobdengau-Museum, Foto: Christian Seitz

Foto: Christian Seitz

Programm
(aktualisiert am 30.11.15)

 

Zur Anmeldung…

Workshop-Flyer (ca. 1 MB)

zur HEiKA-Facebookseite

 

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