Allgemeine Fragen

Allgemeine Fragen zur digitalen Langzeitarchivierung

 

 Disclaimer

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Was ist digitale Langzeitarchivierung (dLZA)?

„Unter Langzeitarchivierung versteht man die Erfassung, die langfristige Aufbewahrung und die Erhaltung der dauerhaften Verfügbarkeit von Informationen.“

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Langzeitarchivierunghttp://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Langzeitarchivierung&oldid=139042048)

 

„Unter dem Begriff Langzeitarchivierung versteht man die Aufbewahrung und die Erhaltung der Zugänglichkeit von Informationen auf unbestimmte Zeit. Langzeitarchivierung bezeichnet in diesem Sinne Prozesse bzw. Vorgehensweisen, die aufgrund von technologischen und gesellschaftlichen Änderungen ständiger Anpassung bedürfen. Im Fall von digitalen Daten sind dies sämtliche Maßnahmen zur dauerhaften Speicherung, aber auch Zugänglichmachung (Katalogisierung) sowie Interpretation der Daten mit resultierender möglichst originalgetreuer Darstellung des Inhaltes in für Menschen wahrnehmbarer Form.“

(Quelle: Loebel, Jens-Martin: Probleme und Strategien der Langzeitarchivierung multimedialer Objekte. In: Koschke, R.; Herzog, O.; Rödiger, K.-H.; Ronthaler, M (Hrsg.): INFORMATIK 2007 – Informatik trifft Logistik, Beiträge der 37. Jahrestagung der Gesellschaft für Informatik e.V. – Proceedings, Lecture Notes in Informatics (LNI) GI-Edition P-110, Band 2, S. 509-514, 2007)

 

„Es gilt also, jeweils geeignete Strategien für bestimmte digitale Sammlungen zu entwickeln, die je nach Bedarf und zukünftigem Nutzungszenarium die langfristige Verfügbarkeit und Nachnutzung der digitalen Objekte sicherstellen.“

(Quelle: Neuroth, Heike; Oßwald, Achim; Scheffel, Regine; Strathmann, Stefan; Huth, Karsten (Hg.): nestor-Handbuch: Eine kleine Enzyklopädie der digitalen Langzeitarchivierung. Version 2.3 – 2010, Kap. 1:2,3)

 

Das Ziel der dLZA ist es also, digitale Objekte zu jeder Zeit auffindbar, zugänglich und nutzbar zu erhalten.


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Was sind die Kernthemen der dLZA?

Die dLZA beschäftigt sich mit dem Erhalt der

  • Auffindbarkeit
  • Datenintegrität
  • Lesbarkeit
  • Vollständigkeit
  • Authentizität
  • Vertrauenswürdigkeit

von digitalen Objekten.


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Was ist „OAIS“?

Das etablierte Referenzmodell vertrauenswürdiger digitaler Langzeitarchive ist das Open Archival Information System, kurz: OAIS. Es wurde von der NASA in Auftrag gegeben und 2003 vom Consultative Committee of Space Data Systems (CCSDS) als ISO-Norm (ISO 14721:2012)1 veröffentlicht. Seit 2012 steht es in der gegenwärtigen Version zur Verfügung. Es bildet ein digitales Archivierungssystem abstrakt ab, wobei es die zu archivierenden Daten nach drei sogenannten Informationsobjekten unterscheidet: Unter Submission Information Packages (SIP) verstehen Archivare danach die digitalen Ausgangsdokumente, wie sie vom Archiv übernommen werden. Durch die Ergänzung durch Metainformationen im Archiv werden sie zu Archival Information Packages (AIP), der Ausgangsform für die digitale Bewahrung und die hierzu erforderlichen Maßnahmen. Sogenannte Dissemination Information Packages (DIP) sind schließlich für die Zugänglichmachung der Informationen zuständig, wobei nach Nutzerkategorien und deren Anforderungen bzw. Berechtigungen unterschieden werden kann.2

Der überragende Verdienst des OAIS-Modells ist vor allem die Schaffung terminologischer Vereinheitlichungen und fachübergreifender Definitionen von Archivierungsbereichen und Aktionen, die eine Interoperabilität nicht nur zwischen unterschiedlichen Arbeitssystemen, sondern auch für die Zukunft berücksichtigt.

1: nestor, Referenzmodell für ein Offenes Archiv-Informations-System, deutsche Übersetzung, 2013, http://files.d-nb.de/nestor/materialien/nestor_mat_16-2.pdf.
2: Brübach, Nils: Das Referenzmodel OAIS. In: Neuroth, Heike; Oßwald, Achim; Scheffel, Regine; Strathmann, Stefan; Huth, Karsten (Hg.): nestor-Handbuch: Eine kleine Enzyklopädie der digitalen Langzeitarchivierung. Version 2.3 – 2010, Kap. 4:3-14 sowie Brübach, Nils: Die Überarbeitung und Ergänzung des OAIS. In: Neuroth, Heike; Oßwald, Achim; Scheffel, Regine; Strathmann, Stefan; Huth, Karsten (Hg.): nestor-Handbuch: Eine kleine Enzyklopädie der digitalen Langzeitarchivierung. Version 2.3 – 2010, Kap. 4:15-16)

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Welche Gefahren drohen digitalem Material?

  • Obsoleszenz (Computersysteme, Betriebssysteme, Software allgemein, Datenträger)
  • Zerstörung (z.B. Löschung durch unsachgemäße Behandlung, bitrot)

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Für wen ist digitale Langzeitarchivierung relevant?

Für alle, die mit digitalen Daten umgehen.


In meiner Institution wird regelmäßig ein Backup der Daten durchgeführt. Weshalb benötige ich eine Langzeitarchivierung? Und was unterscheidet die digitale Langzeitarchivierung von einem Backup?

dLZA bedeutet zu jedem Zeitpunkt über sein Datenbestände Bescheid zu wissen: Was ist wo in welcher Menge vorhanden und womit kann die Datei interpretiert (wiedergegeben) werden. Ein Backup bezeichnet eine Sicherungskopie eines Datenbestands, damit im Verlustfall beschädigte/verlorene Daten wiederhergestellt werden können (vgl. Was ist bitstream preservation).


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Was ist bitstream preservation?

Erhalt des Bitstroms. Sicherstellen, dass die 0 eine 0 und die 1 eine 1 bleibt.


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Was kostet digitale Langzeitarchivierung?

Dies ist schwer zu beziffern. Sicher ist, dass sich die Bemühungen der dLZA langfristig auf die Kosten einer Institution auswirken werden. (Hardware, Software, Fachpersonal, Schulungen etc.)

Projekte, die das zu klären versuchen:


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Welche Fragen müssen für die zu archivierenden Daten vor der digitalen Langzeitarchivierung geklärt werden?

  • Was sind die signifikanten Eigenschaften der zu erhaltenden Objekte?
  • Look&feel, bestimmter Informationsgehalt, wie z.B. Text, Zahlen, besondere Eigenschaften von Bildern (Auflösung, Farbraum, Bittiefe, semantischer Inhalt etc.).

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Welche etablierten Standards gibt es in der digitalen Langzeitarchivierung?

Vgl. Bereich ‚Standardisierung bei nestor.


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Womit befassen sich die Kriterienkataloge für vertrauenswürdige Archive?

  • Organisatorischer Rahmen
  • Umgang mit Objekten
  • Infrastruktur und Sicherheit

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Wie lange ist ‚Langzeit‘?

Für immer – unbefristet.


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Was sind ‚komplexe digitale Objekte‘?

Alle digitalen Objekte, die nicht simpel sind. Beispiele hierzu sind Videospiele, Webseiten, Multimedia, Kunst etc. oder solche digitalen Objekte, deren Erschließung (Metadaten, Struktur etc.) fehlt oder unvollständig ist.


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Welche strategischen Ansätze zur dLZA gibt es?

  • Erhalt der Originalumgebung
  • Bitstream Preservation
  • Redundante Speicherung
  • Migration
  • Emulation
  • Mikroverfilmung
  • Digitale Archäologie

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Was bedeuten Migration und Emulation?

Migration:
Bei einer Formatmigration wird ein digitales Objekt, das in einem ausgewählten Format vorliegt (da ungeeignet, obsolet und/oder proprietär) in ein neues Format überführt (nun geeignet, aktuell, offen und/oder standardisiert). Dies kann unter bestimmten Voraussetzungen massenhaft und automatisiert geschehen.
Bei Verfolgung der Migrationsstrategie ist das Ziel alle im Archiv vorhandenen digitalen Objekte (Formate) direkt – also ohne weitere technische Maßnahmen – auf den jeweils aktuellen Computersystemen nutzen zu können. Da die Originaldaten in jedem Fall behalten werden, bedeutet dies einen erhöhten Speicherbedarf im Archiv, da mit jeder Migration eine neue Version des Objekts mit in das Archiv aufgenommen wird.
Jede Migration beinhaltet das Risiko eines Informationsverlusts (=Verlust von Authentizität), das mit jeder weiteren Migration steigt. Ob ein Informationsverlust hinnehmbar erscheint hängt sehr stark von der Bewertung ab, was denn die erhaltenswerten Eigenschaften (significant properties) eines digitalen Objekts überhaupt sind und für welchen Zweck es in einem Archiv vorgehalten werden soll. Insbesondere in kulturwissenschaftlichen Zusammenhängen (z.B. bei Computerspielen, Medienkunst, multimedialen Objekten etc.) erscheint diese Bewertung als eine sehr schwierige Aufgabe.

Vgl.: Funk, Stefan E.: Migration. In: Neuroth, Heike; Oßwald, Achim; Scheffel, Regine; Strathmann, Stefan; Huth, Karsten (Hg.): nestor-Handbuch: Eine kleine Enzyklopädie der digitalen Langzeitarchivierung. Version 2.3 – 2010, Kap. 8:10-15).

 

Emulation:
Ziel der Emulationsstrategie ist durch technische Maßnahmen alle im Archiv vorhandenen digitalen Objekte (Formate) in ihrer ursprünglichen Form (so wie sie ins Archiv eingebracht wurden) auf den jeweils aktuellen Computersystemen nutzen zu können. Durch Emulation werden veraltete/nicht verfügbare Computerhard- und -software (Betriebssysteme, Anwendungen) auf einem aktuellen Computersystem simuliert. Dieser Ansatz kann unter bestimmten Bedingungen zu einem wesentlich authentischeren Umgang mit den digitalen Objekten führen. Die technischen Ansprüche an Emulatoren, die fortlaufend an die aktuellen Systeme angepasst werden müssen sind sehr hoch.

Vgl.: Funk, Stefan E.: Emulation. In: Neuroth, Heike; Oßwald, Achim; Scheffel, Regine; Strathmann, Stefan; Huth, Karsten (Hg.): nestor-Handbuch: Eine kleine Enzyklopädie der digitalen Langzeitarchivierung. Version 2.3 – 2010, Kap. 8:16-23).

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Wo finde ich weitere Informationen zu digitaler Langzeitarchivierung?


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Wo finde ich Informationen zur Erstellung einer Preservation Policy?

nestor-Arbeitsgruppe Policy (Hg.): Leitfaden zur Erstellung einer institutionellen Policy zur digitalen Langzeitarchivierung (=nestor-materialien 18). Frankfurt 2014.

 

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